Benedikt-XVI. Forum „Heilung durch Glauben“ in Altötting – eine vollständige Reportage

Pubblicato il 14 luglio 2026 alle ore 18:00

von Maria Jović, Carola Zahler und Lea Amodio

Vom 1. bis 5. Juli fand das dritte Benedikt XVI. Forum 2026 in Altötting statt, dieses Jahr unter dem Titel "Heilung durch Glauben".
Ratzinger Class hat einen vollständigen Bericht über das Vortragsprogramm und über das Jungen Benedikt XVI. Forum erstellt, ein zusätzliches Programm mit Aktivitäten für die jungen Teilnehmer.
Hier finden Sie Zusammenfassungen der Beiträge der Referenten. Der rote Faden, der dabei deutlich wird, ist jener Gedanke, den Benedikt XVI. oft wiederholt hat: Ein Gott, der in der Welt nicht mehr handeln kann, ist kein Gott mehr. Glauben bedeutet vielmehr, sich einem Gott zu öffnen, der nahe kommt, der klein wird und uns aufrichtet.
Der Bericht will daher nicht nur die Vorträge des Forums wiedergeben, sondern auch die Atmosphäre von Altötting: einen Ort, an dem die Menschen seit Jahrhunderten Heilung suchen und an dem der Glaube nach Ratzinger seine ganze konkrete Kraft für den Menschen von heute zeigt. Wie immer wechselten sich der wissenschaftliche und der formative Teil der Vorträge mit den heiligen Messen, dem Gebet des heiligen Rosenkranzes, der abendlichen Fackelprozession und verschiedenen Momenten des gemeinsamen Gebets ab.

Auf unseren Social-Media-Kanälen finden Sie weitere Inhalte und Fotos, von denen einige hier zusammen mit den Links gezeigt werden, um die Vorträge auf EWTN und K-TV noch einmal anzusehen.

Taufe: Heilung unserer Blindheit

von Kardinal Kurt Koch

Im Anschluss an Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. hat Kardinal Kurt Koch in seinem Beitrag die Taufe als Weg der Heilung und Erleuchtung gedeutet. Ausgangspunkt ist für ihn die Heilung des Blindgeborenen in Joh 9.

Für Ratzinger, so Koch, stehe die Blindheit des Mannes sinnbildlich für die „Blindheit der Wirklichkeit Gottes gegenüber“, die mit der Erbsünde zusammenhänge. Die Taufe heile genau diese Blindheit. Benedikt entfalte die Geschichte in drei Schritten:

1. Menschwerdung: Jesus macht Teig aus Erde und Speichel und streicht ihn dem Blinden auf die Augen. Die Kirchenväter sahen darin ein Bild der Inkarnation: Gott steigt „bis in den Lehm herab“ und wird für uns berührbar. Das entspreche dem Katechumenat – dem Sich-auf-den-Weg-machen zu Jesus. Diesen Schritt müssten auch Getaufte immer wieder neu gehen.
2. Eintauchen ins Geheimnis: „Geh, wasch dich im Teich Schiloach“ – „der Gesandte“. Das Bad bedeute, in das Geheimnis Christi einzutauchen und von ihm gereinigt zu werden. Koch deutet dies als Sinnbild der Taufe selbst.
3. Anbetung: Schließlich offenbart sich Jesus als Menschensohn. Der Geheilte sagt: „Ich glaube, Herr“ – und wirft sich nieder. „Im Akt der Anbetung ist die Heilung schließlich vollendet“, zitiert Koch Ratzinger. „Er sieht mit den Augen des Herzens.“

Dass Jesus die Heilung am Sabbat vollzieht, sei kein Gesetzesbruch, sondern „der göttliche Akt der Befreiung zur Freiheit der Kinder Gottes“. Das griechische _therapeu_ meine ursprünglich „Dienst vor Gott in der Anbetung“. Jesus erweise sich so als „Gottestherapeut“. Die Heilung am Sabbat sei Vorzeichen des „wahren und endgültigen Sabbats der Anbetung“.

Taufe als Übereignung und Tod
Mit der Taufe, so Koch mit Paulus, werde der Mensch Christus „übereignet“. Es geschehe ein „Herrschaftswechsel“: Heraus aus der „Sklaverei der Sünde“ hinein in die „Sklaverei Gottes“. Paulus spreche vom „Eingebranntwerden“ des Siegels des neuen Herrn. Ratzinger nenne dies einen „eigentlichen Subjektwechsel“: Das Ich werde „enteignet“ und in Christus eingefügt.

Taufe sei deshalb auch „Todessakrament“. Wie Jesus im Jordan die Solidarität mit den Sündern und vorausgreifend den Tod auf sich genommen habe, so tauche der Getaufte mit Christus in den Tod und stehe mit ihm zum neuen Leben auf. „In der Taufe ereignet sich für den einzelnen Menschen das ganz persönliche Ostern.“

Konsequenzen: Umkehr und Kirche
Daraus folge eine „radikale Änderung der Lebensweise“. Koch erinnert an die alte Taufpraxis in Jerusalem: Abkehr nach Westen – _renuntiatio_, Absage an den Teufel als „Antikultur des Todes“ – und Hinwendung nach Osten, zum Licht Christi. _Conversio ad Dominum_: das Leben auf Christus ausrichten.

Taufe bedeute zudem Eintritt in die Kirche als Leib Christi. „Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen“, zitiert Koch 1 Kor 12,13. Die Einheit der Kirche sei „Einheit im apostolischen Glauben“, der im Taufritus übergeben werde.

Mit Verweis auf die frühe Kirche und auf das Bußsakrament als „Pannenhilfe“ nach der Taufe schließt Koch: Nur wenn wir aufgrund der Taufe die Einheit im Glauben suchen, werde die Taufe zum „Heilmittel, das uns von der Blindheit gegenüber Gott heilt und uns sehend macht für Gott und die in der Gemeinschaft mit dem Dreieinen Gott geschenkte Einheit“.

So werde deutlich: Getauft sein heißt, von Christus erleuchtet zu sein – und im Licht des Herrn zu leben.

»Wir haben dieses Forum dieses Jahr durchgeführt über das Thema Heilung durch Glauben. Etwas, das viele Menschen ja sehnen, weil sie verwundert sich fühlen und auf Heilung hoffen und das Angebot des Glaubens annehmen können. Es war in einer guten Atmosphäre wie immer und wir hoffen, dass dieses große Erbe von Papst Benedikt weitergeht in die Zukunft und die nächsten Generationen hinein«.

Kardinal Kurt Koch

 

„Am Anfang von allem"

von Kardinal Kurt Koch

Mit dem Wort des Apostels Paulus „Ihr seid zur Freiheit berufen. Dient einander in Liebe“ hat Kardinal Kurt Koch das Freiheitsverständnis von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. entfaltet. Im Zentrum steht für ihn: Christliche Freiheit ist nicht Selbstbesitz, sondern Geschenk und Befreiung.

1. Befreiung statt Emanzipation
Das moderne Freiheitsverständnis, so Koch mit Verweis auf Rousseau, suche die Ursache der Unfreiheit außerhalb des Menschen: in Gesellschaft, Politik, Verhältnissen. „Emanzipation“ bedeute Selbstbefreiung von äußeren Zwängen.
Der christliche Glaube sehe die Wurzel der Unfreiheit dagegen im Innern: in der Sünde. Paulus beschreibe sie als Widerspruch im Herzen: „Ich tue nicht das Gute, das ich will.“ Die Erbsünde vergleicht Benedikt XVI. mit einem „Gifttropfen“, der alle Beziehungen – zu Gott, zum Nächsten, zur Schöpfung, zu sich selbst – vergiftet.
Darum laute das christliche Schlüsselwort nicht „Emanzipation“, sondern „Befreiung und Erlösung“. Sie könne der Mensch sich nicht selbst geben, sondern nur geschenkt bekommen.

2. Gott ist Garant, nicht Konkurrent der Freiheit
Entgegen dem neuzeitlichen Verdacht, Gott schränke die Freiheit ein, betont Koch: Gott ist der „absolute Grund der Freiheit“. Wer sich Gott anvertraue, werde keine „Marionette“, sondern finde „die große und schöpferische Weite der Freiheit des Guten“.
„Die wahre Freiheit... ist Gott. Gott selbst ist unsere Erbe“, zitiert Koch Benedikt. Menschliche Freiheit wachse in der Begegnung mit der göttlichen Freiheit. Deshalb fließe der Gottesglaube der menschlichen Freiheit nicht aus, sondern ein.

3. Freiheit als Fürsein, Vonsein und Mitsein
Im Dreieinen Gott erkennt Koch die Grundfigur menschlicher Freiheit: Von-Gott-sein, Mit-Gott-sein, Für-den-Anderen-sein. Daraus folge:
Freiheit brauche Treue. „Nur derjenige Mensch ist wirklich frei, der auch treu sein kann“.
Freiheit brauche Gemeinschaft. „Nur eine gemeinsame Freiheit ist eine menschliche Freiheit.“ Sie müsse mit Verantwortung verbunden sein.
Freiheit brauche Wahrheit. Echte Freiheit gehe den Weg der gemeinsamen Wahrheit. „Nur die Freiheit der Wahrheit ist darum die wahre Freiheit“.

4. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn als Warnung
Mit diesem Gleichnis mache Benedikt deutlich, wie „Scheinfreiheit“ aussehe: Beide Söhne seien verloren – der eine in der Ferne, der andere daheim im Vaterhaus. Wahre Freiheit sei das „Daheimsein-Dürfen beim Vater“. Wer sie verlasse, ende in Sklaverei.

5. Jesus Christus als Maßstab der Freiheit
Die vollendete Freiheit zeige sich in Jesus. Das Konzil von Konstantinopel 681 habe sie als „Synthese der Freiheiten“ beschrieben: Der menschliche Wille Jesu wird in freier Liebe eins mit dem Willen des Vaters. Am deutlichsten in Gethsemane: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst“.
Gerade im Gehorsam erweise sich Christus als „der vollendet Freie“.

Vorbild dafür sei Maria. Mit ihrem „Mir geschehe nach deinem Wort“ habe sie die „von Gott befreite Freiheit“ vorgelebt. „Indem sich Maria so in ihrer totalen Abhängigkeit zeigt, bringt sie in Wirklichkeit eine Haltung völliger Freiheit zum Ausdruck“.

Christliche Freiheit, so Koch, erwachse aus der Freundschaft mit Christus und finde ihren Ort in der Anbetung und im Gebet – dem „Laboratorium der Freiheit“. Ihr Kriterium sei die Liebe: „Dient einander in Liebe“.
Gott sei „nicht eifersüchtiger Konkurrent, sondern großzügiger Garant“ der Freiheit. Und die Kernbotschaft laute: Deus Caritas Est. Allein die Liebe Gottes erlöse und weise den Weg in erlöste Freiheit.

Die Fürsprache Mariens - Quell der Hoffnung

von Prof. Dr. Dr. Ralph Weimann

In seinem Vortrag stellte Prof. Weimann die Gottesmutter Maria in den Mittelpunkt des göttlichen Heilsplans. Gerade weil viele, auch Katholiken, ihre Bedeutung unterschätzen, gehe es darum, neu zu verstehen: Heil kommt von Christus allein, aber Maria hat daran „eine einzigartige Rolle“.

1. Warum gerade an Wallfahrtsorten?

An Orten wie Altötting, Lourdes, Guadalupe oder Fatima gebe es bis heute Gebetserhörungen und Wunder, bezeugt durch unzählige Votivtafeln. Die Frage laute: Warum dort?
Antwort bei Weimann: Weil Maria dort in besonderer Weise verehrt wird. Wie Engel und Heilige wirke sie dort, „wo sie gegenwärtig ist“. Maria sei die „Frau mit der Sonne bekleidet“, Vorausbild der siegreichen Kirche.

Zitiert wird Josef Ratzinger: „Wo Totalität der Gnade ist, da ist Totalität des Heils.“ In Maria sei das Bild Gottes vollendet gegenwärtig, weil sie Christus „ganz aufgenommen und ihm vorbehaltlos Raum gegeben hat“. Darum preisen sie „alle Geschlechter selig“.

2. Maria führt immer zu Christus

Entgegen dem Vorwurf, Marienverehrung verdunkle Christus, gelte das Gegenteil. Maria sei wie der Mond: Sie empfange alles Licht von der Sonne Christus und verweise darauf zurück. „De Maria numquam satis“ – über Maria könne man nie genug sagen, weil jede Aussage über sie auf Christus verweise.
Darum sei die Mariologie, so Ratzinger bei Weimann zitiert, eine „Verteidigung der Lehre über Christus“. Schon die frühe Kirche nannte Maria „Überwinderin aller Häresien“.

Die Menschwerdung macht das deutlich: „Er ist... Fleisch geworden vom Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau“. Die Erlösung und damit die Quelle aller Gnaden – auch jeder Heilung – ist mit Maria untrennbar verbunden.

Benedikt XVI. habe in Altötting 2006 darauf hingewiesen: Mariens „Ja“ bei der Verkündigung stehe in „innerer Beziehung zum Ja Jesu für unsere Erlösung“. „Dieses doppelte Ja wird zu einem einzigen Ja und so wird das Wort Fleisch in Maria.“ Maria ist „Gnadenvolle“: ganz offen für Gott, ein „beständiges Empfangen und Weitergeben“.

3. Fürsprecherin und Mutter

Nach Thomas von Aquin habe Maria eine „größere Fülle der Gnade“ empfangen als alle anderen Geschöpfe. In den Ostkirchen werde sie als „Allheilige Gottesgebärerin“ verehrt. Das II. Vatikanum nennt sie „Fürsprecherin, Helferin, Beistand und Mittlerin“.

Wie durch Eva Sünde und Tod kamen, so kam durch Maria das Heil. Die Heiligen leben in Gott und bilden die „Communio Sanctorum“. Je tiefer ihre Teilhabe an Gott, desto wirksamer ihre Fürsprache. Maria nimmt hier eine einzigartige Stellung ein: Sie ist nicht nur Fürsprecherin, sondern Mutter.

Ratzinger: „Die Heiligen sind Freunde Gottes und daher auch Fürsprecher bei Gott für uns. Weil die Liebe nie aufhört, sprechen sie also für uns.“
Benedikt XVI. betonte in Altötting Mariens „mütterliche Wachheit“: „Ihr vertrauen wir unsere Sorgen, Nöte und Bedrängnisse an.“

Ein anschauliches Bild gebraucht Weimann: Wie in Italien eine einflussreiche Person der ganzen Familie hilft, so trage Maria unsere „unvollkommenen Bitten“ gereinigt vor Gott. Sie stellt sie in die Ordnung der göttlichen Gnade.

4. Heilung heute: Der Weg über Maria zu Christus

Maria greife immer wieder in die Geschichte ein – in Altötting, Lourdes, Fatima – und rufe zu Umkehr, Buße und Gebet. Benedikt XVI. sagte vor seiner Lourdes-Reise: Er gehe „im Zeichen der Liebe der Mutter, die wahre Heilung für alle Krankheiten, alle Schmerzen ist“.

Christus ist der „Arzt der Seele“. Aber Maria tritt bei ihm für uns ein, wie in Kana. „Alles, worum sie bittet, sofern es dem göttlichen Willen entspricht, wird ihr Sohn ihr gewähren.“ Ratzinger nennt sie das „lebendige Veronika-Bild“, die Ikone Christi, die sein Bild „ins Schauen des Herzens übersetzt“.

Konkret bedeutet das für eine Wallfahrt um Heilung, so Weimann: Es gehe nicht um Tourismus, sondern um „innere Hinwendung“. Wesentlich seien Bußsakrament, Eucharistie und gläubiges Gebet. Besonders der Rosenkranz: Benedikt 2006 in den Vatikanischen Gärten: „Wo immer Maria ist, da ist auch Jesus. Wer sein Herz der Mutter öffnet, begegnet dem Sohn“.

Die Gottesmutter verherrliche nicht sich selbst, sondern führe zu ihrem Sohn. „Alles, was sie empfängt, gibt sie weiter“.
Weil Gott auch heute handelt, dürfe sich, wer Heil und Heilung sucht, vertrauensvoll an Maria wenden. Ihre Fürsprache stelle die Bitte in Gottes Willen hinein.

Mit den Worten Benedikts XVI. aus Spe salvi schließt Weimann:
„Heilige Maria, Mutter Gottes, lehre uns mit dir glauben und hoffen und lieben. Zeige uns den Weg zu seinem Reich, Stern des Meeres, leuchte uns und führe uns auf unserem Weg".

Heilungen von Belastung aus der Vergangenheit

von Prof. Dr. Dr. Ralph Weimann

Das Thema der Heilung von Belastungen aus der Vergangenheit ist zeitlos und betrifft ganze Generationen; auch wenn Vergangenes nicht rückgängig gemacht werden kann, wirkt die heilende Kraft des Glaubens über die Gegenwart Gottes. Auch wenn dabei die Sorge geäußert wird, Probleme würden vorschnell vergeistlicht, macht der Vortrag deutlich, dass diese Kritik teilweise verständlich ist, aber nicht alles trifft, weil es tatsächlich Belastungen gibt, die tiefer gehen und eine echte geistliche Heilung brauchen, wie etwa der Abfall des Volkes Israel von Gott im Buch Exodus verdeutlicht.

Die Heilige Schrift zeigt, dass Schuld und ihre Folgen über Generationen hinweg wirksam sein können, zugleich aber Gottes Barmherzigkeit immer wieder Heil und Umkehr ermöglicht. Diese generationenübergreifende Wirkung wird sowohl biblisch bezeugt als auch durch das Konzept transgenerationaler Traumata in der Psychologie bestätigt. Der Vortrag zeigt anhand neuerer Erkenntnisse aus Psychologie und Traumaforschung, dass Belastungen aus vergangenen Generationen bis in die Gegenwart wirken können, etwa durch transgenerationale Traumata und mögliche epigenetische Spuren. Papst Benedikt XVI., der als Papst ein Jahr des Glaubens ausgerufen hat , wird anschließend einbezogen, um zu zeigen, dass der Glaube eine heilende Kraft besitzt. Prof. Dr. Dr. Weimann betont, dass Heilung nicht nur den Körper, sondern auch den Geist und die Seele betrifft, da beide untrennbar verbunden sind. Das lateinische Sprichwort „Mens sana in corpore sano" („ein gesunder Geist in einem gesunden Körper") verdeutlicht diese Verbindung. Heute werde jedoch häufig die körperliche Gesundheit betont, während die Bedeutung innerer Ordnung und geistiger Gesundheit vernachlässigt wird.

Innere Unordnung wird theologisch als Sünde verstanden, die entsteht, wenn der Mensch sich von Gottes heilbringender Ordnung entfernt. Papst Benedikt XVI. betont, dass Freiheit ohne Wahrheit und Ordnung zur Selbstauflösung führt, während die Gebote Gottes dem Menschen Orientierung und Leben schenken. Wer innerlich heil werden möchte, muss daher umkehren und sein Leben neu an Gott ausrichten. Wer sich an den Geboten Gottes orientiert, bleibt vor geistlichen Lasten bewahrt, denn Sünde hinterlässt Spuren im Inneren des Menschen und kann auch Auswirkungen auf kommende Generationen haben. Wie bei einem schweren Unfall, der eine ganze Familie betrifft, können auch geistliche Fehlentscheidungen über persönliche Grenzen hinauswirken. Josef Ratzinger betont, dass Umkehr nur möglich wird, wenn der Glaube auch moralische Grundentscheidungen einschließt, denn die Praxis des Glaubens ist untrennbar mit der Wahrheit des Glaubens verbunden.

Prof. Dr. Dr. kritisiert, dass die Sünde in unserer Zeit oft verharmlost wird, wodurch Umkehr und Sühne verhindert werden und ihre belastenden Folgen bestehen bleiben. Deshalb geht Joseph Ratzinger so weit, in der fehlenden Bekehrung, in der fehlenden Bekehrung, den eigentlichen Grund für die Krise des Christentums zu sehen. Denn es gehört zu den Werken der Barmherzigkeit, auch wenn das sehr unliebsam ist, Sünder zurechtzuweisen. betont, dass wahre Freiheit nicht ohne Wahrheit möglich ist und dass der Glaube untrennbar mit der Umkehr und der Nachfolge Christi verbunden bleibt. Joseph Ratzinger verdeutlicht, dass Gottes Barmherzigkeit darin besteht, den Menschen durch seine Wahrheit zu befreien und ihn wie ein guter Hirte zu suchen, zu heilen und zurückzuführen. Christus kommt, um die Verlorenen zu retten und ihnen neues Leben zu schenken. Sünde ist zwar immer eine persönliche Entscheidung ist, ihre Folgen jedoch über den einzelnen Menschen hinausreichen und auch andere sowie kommende Generationen betreffen können. Während gesellschaftlich teilweise eine generationsübergreifende Verantwortung anerkannt wird, wird dies im geistlichen Bereich oft abgelehnt. In diesem Zusammenhang betont der Vortrag, dass die Folgen von Sünde nicht isoliert bleiben, sondern Heilung und Umkehr notwendig machen.

Die Schuld bleibt persönlich, doch ihre Folgen wirken über den Einzelnen hinaus, da jede menschliche Handlung eine geistliche Dimension besitzt und Beziehungen beeinflusst. Joseph Ratzinger betont, dass Sünde eine reale Wirklichkeit ist, die Beziehungen zerstört, weil der Mensch von Grund auf ein Beziehungswesen ist und Sünde daher nicht isoliert bleibt. Sünde bedeutet Beziehungsverlust und kann daher über den Einzelnen hinauswirken, wie auch die Psychologie anhand transgenerationaler Traumata beschreibt, sodass unverheilte Verletzungen und Konflikte über Generationen weitergetragen werden können.

Nicht geheilte Beziehungsstörungen können Folgen über Generationen hinweg haben, doch Gott bleibt barmherzig und schenkt Heilung. Jesus Christus stellt durch seine Erlösung die zerstörten Beziehungen zu Gott und den Menschen wieder her und durchbricht die Kette des Bösen. Joseph Ratzinger schreibt in der Einführung in das Christentum: "Der Mensch ist zuletzt auf den anderen, auf den wahrhaft anderen, auf Gott hin bestimmt. Er ist umso mehr bei sich, je mehr er bei dem ganz anderen, bei Gott ist." Der Mensch findet seine wahre Identität nicht in der Isolation, sondern in der Beziehung zu Gott, die durch Jesus Christus neu eröffnet wurde.

Durch Gottes Gnade können Belastungen aus der Vergangenheit geheilt werden, denn das Gute und das Licht Christi sind stärker als das Böse. Joseph Ratzinger entfaltet seine Theologie aus einer dialogischen Perspektive. „Weil sich das Menschsein in der Beziehung zu Gott und zu Mitmenschen verwirklicht, kann sich die Beziehungsstörung auch auf zukünftige Generationen auswirken. Es gehört zu den großen Schwachpunkten kirchlicher Verkündigung der vergangenen Jahrzehnte, die Sünde relativiert und aus dem Bewusstsein verdrängt zu haben."  Schwere Sünde zerstört die Beziehung zu Gott und zum Nächsten, doch durch Umkehr, Versöhnung und Sühne kann diese Beziehung wieder geheilt werden.

Mit dem Thema Sühne hat sich Joseph Ratzinger intensiv auseinandergesetzt. Joseph Ratzinger verstand Erlösung nicht nur im Sinne der klassischen Satisfaktionslehre Anselms von Canterbury, sondern deutete sie vor allem als Wiederherstellung der Beziehung zwischen Gott und Mensch. Sühne wird wirksam durch den Glauben. Sühne bedeutet nach Pater Karl Wallner die freiwillige Teilnahme an der Erlösung Christi, durch die der Mensch in der Liebe Christi Heilung erfährt und die durch Sünde verletzte Beziehung zu Gott wiederhergestellt wird.

Ratzinger bringt diesen Gedanken auf den Punkt, wenn er schreibt: „...denn ein Geschöpf, das der ansieht und liebt, der Ewigkeit ist, hat damit Anteil an der Ewigkeit. All dies verdichtet sich in dem Wort Jesu. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, damit aber seine Seele verliert?" Der Mensch verliert geistlich seine Lebenskraft, wenn die Beziehung zu Gott und zum Nächsten durch die Sünde zerbricht. Er beklagte bereits 1975, dass der Begriff „Heil" im modernen Denken an Bedeutung verloren habe und zunehmend entweder nur auf das Jenseits oder auf körperliche Gesundheit reduziert werde. Dabei gerät die entscheidende Dimension aus dem Blick: die Heilung des ganzen Menschen durch den Glauben und die lebendige Beziehung zu Christus. Wahres Heil entsteht nicht allein durch medizinische oder wissenschaftliche Möglichkeiten, sondern durch die Verbindung mit Gott, der dem Menschen Leben in Fülle schenkt.

Gott besitzt die Macht über das Böse und schenkt wahres Heil. Der Weg der Heilung beginnt damit, sich ehrlich der Wahrheit Christi zu stellen und die eigene Beziehung zu Gott zu prüfen, denn wer anderen helfen möchte, muss selbst aus der Heilung und Gnade Gottes leben. Die Kirche begleitet diesen Weg durch die von Christus geschenkten Heilsmittel, besonders durch die Sakramente wie Taufe und Beichte, in denen Vergebung und Reinigung geschenkt werden. Durch Sühne, Wiedergutmachung, Gebet, Eucharistie, Anbetung, Fasten und Werke der Buße kann der Mensch aus der Barmherzigkeit Christi schöpfen und Heilung sowie Erneuerung erfahren.

Die Heilige Messe ist das höchste Gnadenmittel, weil in ihr das Opfer Christi gegenwärtig wird und Gott Heilung, Vergebung und Gnade schenkt; durch eine bewusste Teilnahme kann diese Gnade besonders wirksam werden. Joseph Ratzinger beschreibt dies mit eindrücklichen Worten: „Die eigentliche Aktion in der Liturgie, an der wir alle teilhaben sollen, ist Handeln Gottes selbst." Die christliche Liturgie ist einzigartig, weil Gott selbst handelt und in der Eucharistie als Quelle allen Heils gegenwärtig ist.

Neben Beichte und Eucharistie kann zur Heilung von Altlasten auch eine Befreiung von inneren Bindungen notwendig sein, denn Heilung und Befreiung gehören zusammen. Josef Ratzinger schreibt dazu: „Die Vollmacht der Kirche ist die Transparenz der Macht Gottes. Und so ist unsere Hoffnung. Deswegen ist die innere Bindung an die Vollmacht der Kirche in einem Akt tiefen Gehorsams der Grundentscheid priesterlicher Existenz." Jesus Christus ist der Heiler, der stärker ist als das Böse und durch die Gnadenmittel der Kirche Heil schenkt. Joseph Ratzinger betont, dass die Vollmacht Christi in Wort und Sakrament bis heute Licht, Hoffnung und Zuversicht gibt.

Die heilende Kraft der Wunder Jesu

Prof. Dr. Marius Reiser 

„Es gibt keine Wunder mehr?“ – Prof. Marius Reiser über Heilung, Glauben und Eucharistie bei Jesus und heute.

Über die Frage nach dem Wunder in der Moderne und seine bleibende Bedeutung hat Prof. Marius Reiser in einem Beitrag gesprochen, der bei Annette von Droste-Hülshoff und Joseph Ratzinger ansetzt und in einer Auslegung der Heilung der blutflüssigen Frau mündet.

1. Wunder: Von der „Sage“ zur Realität Gottes

Reiser erinnert an das Gedicht der Droste-Hülshoff zum 2. Weihnachtstag aus dem _Geistlichen Jahr_ 1839. Dort heißt es, die „Wunderherrlichkeit“ Jesu ziehe nur noch „als Sage durch das Land“. Mit der Aufklärung seien der Gegenwart „gewaltige Stützen“ weggebrochen.

Doch die Schuld liege nicht bei einer „naiven“ Gläubigkeit, so Reiser. Vielmehr seien es „unsere trüben und harten Sinne“, denen „seiner Zeichen Blitzen verhüllt bleibt“. Blind seien nicht die Gläubigen, sondern die „eingebildeten Aufgeklärten“.

Dagegen wandte sich schon 1976 Josef Ratzinger in einem Vortrag für den Bayerischen Rundfunk. Für die Evangelisten, so Ratzinger bei Reiser zitiert, sind die Wunder „ein entscheidender Ausweis für die Sendung Jesu“. „Sie beglaubigen ihn und machen Widerstand schuldhaft“.
Ein „prinzipieller Ausschluss des Wunders“ zerstöre etwas am Gottesbegriff selbst: „Ein Gott, der seine Welt so gegen sich selbst abgeschlossen hat, dass er in ihr nicht mehr handeln kann, ist kein Gott mehr.“ Das Wunder sei das Zeichen dafür, dass Gott handeln kann. In diesem Sinn habe es „eine unersetzliche Bedeutung“. Ratzinger, so Reiser, gebe der Droste also Recht.

2. Auslegung einer Wundergeschichte: Die Blutflüssige Mk 5,25-34

Als Beispiel wählt Reiser die Heilung der Frau mit zwölfjährigem Blutfluss. Eine Frau, „die viel gelitten hatte unter vielen Ärzten“ und ihr ganzes Vermögen aufgebraucht hatte, hört von Jesus. „Wenn ich auch nur sein Gewand anfasse, werde ich geheilt“, denkt sie. Sie berührt ihn in der Menge – und sofort versiegt „der Quell ihres Blutes“.

Reiser weist auf das „magische Element“ hin: Jesus „bemerkte innerlich die aus ihm ausgetretene Kraft“. Auch der Evangelist Markus formuliert drastisch. Selbst auf einem Amulett aus dem 6./7. Jh. sei die Szene so dargestellt.
Doch Jesus suche mehr als nur Kontakt. Er bleibt stehen und fragt: „Wer hat mein Gewand angefasst?“ Die Jünger reagieren „nüchtern-realistisch“ und fast unwirsch. Mitten in der Menge komme es so zu einer Begegnung nur zwischen Jesus und der Frau.

Der dramatische Höhepunkt liege nicht im Wunder selbst, sondern danach: „Voll Furcht und Zittern“ fällt die Frau nieder und „sagt ihm die ganze Wahrheit“. Erst darauf antwortet Jesus: „Tochter, dein Glaube hat dich geheilt. Geh in Frieden und sei gesund von deiner Geisel“.

Die Anrede „Tochter“ stelle die persönliche Bindung über die gesellschaftliche Schranke. Entscheidend sei: Jesus führe die Heilung auf den Glauben zurück. Der Glaube der Frau sei zunächst „magischer Glaube“ gewesen. Durch ihre Ehrlichkeit und das öffentliche Bekenntnis sei er aber „über die primitive Stufe des Vertrauens auf den Magier hinausgewachsen“.
Fazit bei Reiser: „Der Kontakt führte zur Begegnung, in der der Aberglaube zum Glauben wurde.“ Es gelte: gratia supponit naturam et perficit eam – die Gnade knüpft an der menschlichen Verfassung an und führt sie zur Vollendung.

3. Von der historisch-kritischen zur „aktuellen“ Auslegung

Reiser kritisiert, dass die moderne historisch-kritische Exegese die Texte oft „wie Gegenstände im Museum“ erkläre. Sie frage nach Entstehung und Zweck, aber nicht danach, was der Text als „aktuelles Wort Gottes“ heute sage. Die Predigt habe genau diese Aufgabe, erfülle sie aber selten.

Auch hier beruft er sich auf Ratzinger, der als Professor und später als Papst in Verbum Domini für eine Schriftauslegung eintrat, die den Sinn als gegenwartsbezogenes Wort Gottes sucht. Problematisch sei zudem eine unausgesprochene Voraussetzung: „dass sich historische Forschung nur unter atheistischen Voraussetzungen betreiben lässt“. Unter diesen Prämissen könne es „keine wirklichen Wunder geben“.

4. Symbolische Deutung: Die Eucharistie als „Berührung“ mit Christus

Reiser bietet dann eine „symbolische Deutung“ der Geschichte an, wie sie in der Tradition der Kirchenväter üblich war. Zwei Elemente seien zentral: der Blutfluss als Bild für alles „Kranke, Heillose und Sündige“ am Menschen, und die Berührung mit dem „wahren Heiland“.

Viermal stehe im Text das Wort haptomai – „berühren“. Am Ende von Mk 6 heißt es ebenfalls: Alle, „die ihn berührten, wurden heil“.

Die Frage: Gibt es diese leibhafte Berührung mit Christus auch heute? Reisers Antwort: „Diese Begegnung vermittelt uns die Kirche durch ein leibhaftes Anfassen Christi in der Eucharistie“.

Er belegt diese „eucharistische Applikation“ mit der Tradition:
- Petrus Chrysologus im 5. Jh.: „Wie viel Arznei sie dem Körper selbst entnehmen könnten, da die Frau ihre ganze Gesundheit aus dem bloßen Gewandsaum raubte“.
- Johannes Chrysostomus: „Wir aber... können ihn nicht nur berühren, sondern essen. Sein Tisch steht bereit“.
- Johannes von Damaskus im Gebet vor der Kommunion: „Ich will zu dir kommen und dich berühren wie die Dirne und die Blutflüssige“.
- Katechismus der Katholischen Kirche 1993: Er stellt der Sakramentenlehre das Fresko der Blutflüssigen aus der Katakombe voran. Die Sakramente „setzen fort, was Christus... vollbracht hat“ und sind „wie die Kraft, die aus dem Leibe Christi ausgeht.“

Auch bei Theresia von Avila und Johann Georg Hamann findet Reiser diesen Gedanken: Hamann betet: „Ich halte mich nicht nur an deinem Kleide, sondern an deinem Leibe und Blute“.

Damit, so Reiser, finde gerade das „magische Element“ der Geschichte eine „sachgemäße Übertragung“: In der Eucharistie sei es „ausgeschaltet, bewahrt und auf eine höhere Ebene gehoben“. Im gläubigen Empfang begegnen wir „dem Arzt der Seele und erhalten Anteil an seiner Wunderkraft“. Für Prof. Reiser zeigt die Geschichte der Blutflüssigen: Wunder sind nicht „Sage“. Sie sind Zeichen für einen Gott, der handelt. Und sie verweisen auf eine Heilung, die Leib und Seele umfasst und die in der Begegnung mit Christus – heute in der Eucharistie – weitergeht.

Heilung durch die Wahrheit des Glaubens

Prof. Dr. Markus Graulich

Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, was den Menschen im tiefsten Sinn heilt. Ausgehend von Joseph Ratzinger wird gezeigt, dass wahre Heilung nicht nur körperliche oder psychische Gesundheit meint, sondern in der Begegnung mit der Wahrheit Gottes, die in Jesus Christus erschienen ist, ihren Ursprung hat. Der Mensch findet Heilung, wenn er seine eigene Wirklichkeit als Geschöpf Gottes annimmt, sich der Wahrheit über sein Leben stellt und daraus den Weg zu Umkehr, Frieden und Heiligkeit geht. Dabei werden auch Themen wie Sünde, Leid, Krankheit, Gebet und die Bedeutung der christlichen Wahrheit für das menschliche Leben betrachtet.

Der Mensch lebt in einer Zeit großer Möglichkeiten und zugleich großer Sehnsucht nach Heilung. Er sucht Heilung für den Körper, die Seele, Beziehungen und die inneren Verwundungen seines Lebens. Trotz Fortschritten in Medizin, Psychologie und verschiedenen spirituellen Angeboten bleibt die Sehnsucht nach Ganzheit, Sinn und Frieden bestehen. Joseph Ratzinger hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, was den Menschen wirklich heilt. Seine Antwort lautet: „Der Mensch wird letztlich durch die Wahrheit geheilt." Diese Wahrheit ist jedoch keine abstrakte Idee, sondern eine Person: Jesus Christus, in dem die Wahrheit Gottes sichtbar geworden ist.

Nach Joseph Ratzinger liegt die tiefste Krise der modernen Welt nicht zuerst in politischen, wirtschaftlichen oder technischen Problemen, sondern in einer Krise der Wahrheit. Wenn der Mensch die Wahrheit über sich selbst verliert, verliert er auch die Orientierung über seine Herkunft, seine Bestimmung und seinen Weg. Unsicherheit, Angst und Sinnverlust entstehen dort, wo die Beziehung zu Gott verdunkelt wird. Der christliche Glaube bietet deshalb keine oberflächlichen Lösungen, sondern führt den Menschen zur Begegnung mit Christus, der ihn befreit und heilt. Erst wer die Wahrheit über sich selbst erkennt, kann auch erkennen, was im eigenen Leben krank ist und Heilung braucht.

Wie in der Medizin die Diagnose die Voraussetzung für eine Therapie ist, so braucht auch der Mensch die Erkenntnis der Wahrheit, um heil zu werden. In einem Vorwort zu einem Werk von Kardinal Lozano Barragán greift Joseph Ratzinger den Gedanken einer ganzheitlichen Gesundheit auf: Gesundheit umfasst nicht nur den Körper, sondern auch die psychische, soziale und geistliche Dimension des Menschen. Sie befähigt ihn, die Sendung zu erfüllen, die Gott ihm anvertraut hat. Die Sehnsucht nach dieser Gesundheit trägt jeder Mensch in sich: die Sehnsucht nach Frieden mit sich selbst, mit den anderen Menschen, mit Gott und mit der eigenen Vergangenheit.

Bereits die Kirchenväter, besonders der heilige Augustinus, erkannten, dass das menschliche Herz unruhig bleibt, solange es nicht in Gott seine Ruhe findet. In dieser Tradition zeigt Ratzinger, dass die Unruhe des modernen Menschen wesentlich mit dem Verlust Gottes verbunden ist. Wahre Heilung setzt deshalb voraus, dass der Mensch seine Geschöpflichkeit annimmt: Er ist nicht Gott und nicht sein eigener Ursprung, sondern ein von Gott gewolltes Geschöpf. Gerade darin liegt seine Würde. Jeder Mensch trägt Gottes Atem in sich und besitzt unabhängig von Leistung, Gesundheit oder gesellschaftlichem Ansehen einen unverlierbaren Wert.

Die Gottebenbildlichkeit des Menschen bedeutet nach Joseph Ratzinger nicht nur seine Fähigkeit, Gott zu erkennen, sondern auch seine Beziehungsfähigkeit. Der Mensch ist auf Gott und auf den Mitmenschen hin geschaffen. Er lebt nicht aus sich selbst und nicht für sich selbst allein. Sein Leben gelingt in der Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen. In Christus, dem wahren Bild des Vaters, wird die Bestimmung des Menschen sichtbar: Er ist berufen zur Gemeinschaft mit Gott und zur Teilhabe an der Ewigkeit der Wahrheit und der Liebe.

Diese Berufung zur Ewigkeit prägt auch das irdische Leben. Nach Ratzinger bedeutet die Bestimmung des Menschen zur Ewigkeit die Berufung zur ewigen Liebesgemeinschaft mit Gott. Deshalb haben menschliche Entscheidungen Gewicht. Der Mensch ist nicht nur für das Diesseits geschaffen, sondern für die Vollendung in Gott. Gerade im Leid kann er Christus begegnen, denn nicht äußere Größe, Erfolg oder Ansehen bestimmen die Würde des Menschen, sondern die Liebe und die Bereitschaft, den Willen Gottes zu leben.

Zur Wahrheit über den Menschen gehört jedoch auch die Wahrheit der Sünde. Der Mensch ist immer wieder auf Umkehr angewiesen. Nach Joseph Ratzinger kann der Mensch nur heil werden, wenn er „wahr wird", also die Wahrheit über sich selbst nicht verdrängt. Die Sünde wird krankmachend, wenn der Mensch sie verleugnet und sich der Begegnung mit Gott entzieht. Besonders in der Beichte geschieht diese heilende Begegnung: Der Mensch erkennt seine Schuld, tritt in das Licht Gottes und empfängt Vergebung. Die Wahrheit macht nicht unfrei, sondern eröffnet den Weg zur Freiheit und zu einem neuen Anfang.

Der tiefste Kern der Sünde besteht nach Ratzinger darin, dass der Mensch sein Geschöpfsein ablehnt und selbst wie Gott sein möchte. Er will unabhängig von Gott sein und zerstört dadurch die Beziehung zur Wahrheit und zur Liebe. Die Antwort darauf ist Jesus Christus, der wahre Heiler des Menschen. Er heilt nicht nur körperliche Krankheiten, sondern vor allem die tiefste Wunde des Menschen: die Trennung von Gott. In Christus zeigt sich, wie sehr Gott den Menschen liebt.

Auch das Leiden gehört zur Wahrheit des menschlichen Lebens. Der Mensch kann das Leiden nicht vollständig aus der Welt schaffen, weil er endlich ist und die Macht von Schuld und Bösem nicht selbst überwinden kann. Heilung bedeutet daher nicht immer die Beseitigung des Leidens, sondern die Fähigkeit, es mit Christus zu tragen und darin Sinn zu finden. Krankheit und Leid können zu einer Begegnung mit Christus werden und zur Reifung in der Liebe führen. Unter der Leitung von Kardinal Ratzinger wurde deshalb betont, dass Heilungsgebete in einer würdigen und kirchlichen Weise geschehen müssen und nicht in sensationelle oder künstliche Formen abgleiten dürfen.

Christliches Heilungsgebet ist besonders in den Sakramenten und Sakramentalien verwurzelt, etwa in der Krankensalbung. Heilung betrifft aber nicht nur körperliche Krankheit, sondern auch die inneren Wunden des Lebens, etwa nach gescheiterten Entscheidungen. Ein Beispiel dafür ist Jesus auf dem Weg nach Emmaus: Er begegnet den enttäuschten Jüngern, hört ihnen zu und führt sie durch die Wahrheit wieder zur Hoffnung. Auch heute begleitet die Kirche Menschen, indem sie ihnen hilft, die Wahrheit ihres Lebens im Licht Christi zu erkennen.

Wahre Pastoral bedeutet deshalb nicht, die Wahrheit aus Rücksicht abzuschwächen. Eine scheinbare Barmherzigkeit, die die Wahrheit vermeidet, kann dem Menschen nicht wirklich helfen. Gerade bei grundlegenden Lebensentscheidungen wie Ehe, Ordensprofess und Priestertum müssen die christlichen Wahrheiten erhalten bleiben. Benedikt XVI. warnte davor, die Unauflöslichkeit der Ehe zu relativieren und sie nur als Ideal zu verstehen. Die Wahrheit einer Lebensentscheidung anzunehmen, ist vielmehr Voraussetzung für Heilung und ein gelingendes Leben.

Am Ende führt der Weg der Heilung zur Heiligkeit. Nach Joseph Ratzinger besteht Gesundheit darin, die eigene Sendung zu erfüllen, die Gott dem Menschen anvertraut hat. Heiligkeit bedeutet, Christus ähnlich zu werden. Wer in der Begegnung mit Christus die Wahrheit über Gott und über sich selbst erkennt und danach lebt, findet den Weg zu Heilung, innerem Frieden und zur Vollendung in Gott.

Heilung durch Gebet und Gnade

von Dr. Franz Haringer

„Nur was ich selber verstanden habe, kann ich auch für andere verständlich ausdrücken.“ Mit diesem Satz brachte Prof. Dr. Franz Haringer in seinem Vortrag das Wesen der Theologie von Joseph Ratzinger auf den Punkt. Der spätere Papst Benedikt XVI. sei zwar kein „geistlicher Schriftsteller“ im populären Sinn gewesen, sondern Fachtheologe für Fundamentaltheologie und Dogmatik. Doch gerade in der Klarheit seiner Sprache werde sichtbar, dass seine Texte aus persönlichem Durchdenken und Glaubenserleben stammen.

Vor diesem Hintergrund beleuchtete Haringer das Thema „Heilung durch Gebet und Gnade“ anhand zentraler Gedanken Ratzingers.

I. Heilung durch Gnade: „Den Pfeilflug unseres Daseins annehmen“

Ausgangspunkt ist ein prägnantes Wort Ratzingers: „Anbetung heißt, den Pfeilflug unseres Daseins anzunehmen“ (Gott und die Welt, 96).
Mit diesem Bild macht Haringer deutlich: Der Mensch ist kein Selbstzweck. Wie ein Pfeil verdanke er Ursprung, Richtung und Ziel nicht sich selbst, sondern dem Schöpfer. „Du bist gewollt und geliebt“, so die Botschaft. Gerade für den „selbstbestimmten Menschen von heute“ sei das keine einfache Kost, stehe es doch im Gegensatz zu Nietzsches Forderung nach absoluter Souveränität.

Heilung beginne dort, wo wir den „Bauplan“ unserer Geschöpflichkeit anerkennen – mit allen Grenzen. Doch der Mensch sehne sich zugleich über diese Grenzen hinaus: nach Leben in Fülle, nach Gott selbst. Die biblische Erzählung vom Sündenfall zeige das Drama: Statt sich das „Wie-Gott-Sein“ schenken zu lassen, habe der Mensch versucht, es sich zu nehmen und dabei die Harmonie verloren.

„Gnade“ bedeutet für Ratzinger laut Haringer kein juristischer Akt. Sie ist Beziehungsgeschehen: Gott selbst geht auf sein Geschöpf zu, nimmt die „Unheilsgeschichte“ auf sich und setzt einen neuen Anfang.
Das Paradox fasst Ratzinger so zusammen: „Der unendliche Gott ist als menschliche Person in die endliche Welt eingetreten... Es ist die Antwort, derer wir bedürfen; man müsste sie gleichsam erfinden, wenn es sie nicht gäbe“ (JRGS 13/3, 1416).
Der Unendliche macht sich klein, damit der Mensch teilhaben kann an seiner Größe. „Deine Zuneigung machte mich groß“ (Ps 18,36).

II. Heilung durch Gebet und Heilung des Gebets

Ist die Gnade Gottes Initiative, so ist das Gebet die Antwort des Menschen. Beten heiße, den „Pfeilflug“ anzunehmen, Gott als Schöpfer anzuerkennen und sich seinem heilenden Wirken zu stellen.

Haringer beschreibt das Gebet als „Atemholen“ im Alltag, als Einwilligung in die Geschichte Gottes mit mir und mit seinem Volk. Es umfasse Erinnerung, Gegenwart und Zukunft, Sprechen und Schweigen, bis hin zum „Leerwerden“ als Gefäß für Gottes Nähe.

Doch auch das Gebet des Menschen brauche Heilung. Gott komme dem zuvor: Im Psalter habe er dem Menschen Worte für jede Lebenslage geschenkt. Was als Gebet Davids begann, sei durch Christus zum Gebet der Kirche geworden. Gleiches gelte für das Vaterunser, das Christus der Gemeinde als verbindendes Gebet anvertraute.

Einen Höhepunkt erreiche das Gebet im Kult, in der Liturgie. Haringer zitiert Platon, auf den sich auch Ratzinger bezieht: „Im Kult geht es um nichts anderes als um das Heil und die Heilung der Liebe“ (Schauen auf den Durchbohrten 73-84).
Diagnose: Die Liebe des Menschen ist erkrankt. Sie kreist um das Ich, das Materielle, das Vergängliche. Im Kult – besonders in der Eucharistie – werde sie geheilt. Hier feiere die Kirche den Gott, der aus Liebe Mensch wurde und sich hingibt. In der Eucharistie dürfe der Gläubige seine unvollkommene Liebe in Gottes grenzenlose Liebe hineinhalten, „Wir“ sagen lernen und sich mit Christus zum Vater schenken lassen.

III. Heilung bewirkt Freude und Leichtigkeit

Die Folge echter Heilung, so Haringer mit Ratzinger, ist zweifach: Freude und Leichtigkeit.
Freude, weil der Gläubige weiß, woher er kommt und wem er gehört. „Wo Freudlosigkeit ist, wo der Humor stirbt, da ist der Geist Jesu Christi gewiss nicht. Freude ist ein Zeichen der Gnade“ (JRGS 6/2, 965). Auch Karl Barth betonte: „Man kann nur gerne, mit Freuden Theologe sein“.

Leichtigkeit, weil der Glaube der „Schwerkraft“ des Irdischen eine andere entgegenstellt. Mit den Kirchenvätern sagt Ratzinger: „Glauben heißt, dass wir wie Engel werden... Gläubig werden heißt leicht werden“ (JRGS13/1). Es sei der Auferstandene selbst, der „Widerstand gegen die Schwerkraft“ bewirkt und uns „nach oben zieht“ (JRGS 13/2, 656).

Mit dem Bild des Pfeils begann der Vortrag – mit dem Bild des Fliegens endet er. Wer die „Schwerkraft des lebendigen Christus“ wählt, so Prof. Haringer, der wird über das Lebenswidrige hinausgehoben. In Gnade und Gebet dürfe der Mensch schon jetzt Heilung und Heil erahnen und verspüren.

Heiligkeit, Heil und Heilung

von Pater Dr. Lässer

Pater Dr. Lässer eröffnet seinen Vortrag mit einem Gebet von Papst Benedikt XVI., das besonders gut nach Altötting passt und zugleich inhaltlich in das Thema einführt:

„Maria, Mutter Gottes, du hast der Welt das wahre Licht geschenkt, Jesus, deinen Sohn, Gottes Sohn. Du hast dich ganz dem Ruf Gottes überantwortet und bist so zur Quelle der Güte geworden, die aus ihm strömt. Zeige uns Jesus, führe uns zu ihm, lehre uns, ihn kennen und ihn lieben, damit auch wir selbst wahrhaft Licht und Quelle lebendigen Wassers werden können inmitten einer dürstenden Welt."

Das Reich Gottes ist nicht nur eine zukünftige Hoffnung, sondern bereits jetzt gegenwärtig. Heil und Umkehr beginnen im Hier und Heute, indem der Mensch diese Wirklichkeit erkennt, an Christus glaubt und sein Leben nach ihm ausrichtet.

Pater Dr. Lässer greift den Gedanken von Prof. Dr. Dr. Weimann über die „Heilung von Belastungen aus der Vergangenheit" auf. Entscheidungen des Menschen bleiben nicht ohne Folgen: Ein Leben aus der Fülle Gottes kann Segen hervorbringen, während eine Abkehr von Gottes Ordnung Auswirkungen über Generationen hinweg haben kann. Umkehr bedeutet deshalb eine grundlegende Neuausrichtung auf Christus.

Diese Umkehr geschieht in zwei Schritten: Zunächst steht die oft begeisterte Hinwendung zu Jesus, danach die dauerhafte Einübung, das eigene Denken, Reden und Handeln nach Christus auszurichten. Wahre Liebe zeigt sich dabei nicht nur in Worten oder Gefühlen, sondern im konkreten Tun. Heiligkeit wächst im Alltag, in der Treue, in Beziehungen und darin, dass Gottes Liebe sichtbar gelebt wird.

Heiligkeit und Heilung sind ein lebenslanger Prozess, in dem der Mensch immer tiefer in das Leben Gottes hineinwächst. Dabei führt Gott den Menschen auch durch Zweifel und Schwächen hindurch, wie beim Apostel Thomas. Der Glaube ist dabei kein bloßes Gefühl, sondern ein von Christus geschenkter und von der Kirche bewahrter Schatz, aus dem der Mensch Heil und Leben schöpfen kann. Papst Benedikt XVI. betont, dass der Glaube eine verwandelnde Kraft besitzt und den Menschen zur Erkenntnis seiner Berufung und zur Heiligkeit führt. In seinen Katechesen über die Heiligen zeigt er, wie Menschen diese Berufung konkret gelebt haben:

„Wir fragen wir uns, ist der Glaube wirklich die verwandelnde Kraft in unserem Leben, in meinem Leben? Oder ist er nur eines der Elemente, die zu meinem Leben gehören? Der Glaube an einen Gott, der Liebe ist und der zum Menschen gekommen ist, indem er Mensch geworden ist und sich selbst am Kreuz hingegeben hat, um uns zu erlösen und uns die Tore des Himmels wieder zu öffnen, zeigt doch auf leuchtende Weise, dass die Fülle des Menschen, also Heiligkeit, Heil und Heilung, nur in der Liebe Gottes und in der Wahrheit Gottes bestehen kann."

Der Mensch findet Heil, wenn er zu Gott zurückkehrt und seine eigene Würde erkennt. Wie beim verlorenen Sohn wird sichtbar: Jeder Mensch ist von Gott gewollt und geliebt. Heiligkeit bedeutet daher nicht, perfekt zu sein, sondern sich von Gottes Liebe formen zu lassen.

Drei zentrale Punkte des Heils werden deutlich:

1.        Der Mensch muss sich selbst als von Gott geliebtes Geschöpf annehmen – mit seinen Gaben und Grenzen – und sein Leben dankbar in Gottes Hände legen.

2.        Der Mensch muss seine Verwundungen, Sünden und Bindungen ehrlich erkennen und sie Christus bringen, der als Erlöser Heilung schenkt.

3.        Der Mensch muss sich vom Heiligen Geist verwandeln lassen, um seine Berufung zu leben und Christus immer ähnlicher zu werden.

Papst Benedikt XVI. macht deutlich, dass Heiligkeit die Berufung aller Christen ist. Sie besteht nicht in außergewöhnlichen Leistungen, sondern in der lebendigen Einheit mit Christus. Das Maß der Heiligkeit ist, wie sehr Christus im Menschen Gestalt annimmt und sein Leben prägt. Heiligkeit ist ein Geschenk Gottes, das durch den Heiligen Geist wirkt, aber zugleich eine bewusste Antwort des Menschen verlangt. Sie wächst durch ein gelebtes geistliches Leben: durch das Hören auf Gottes Wort, die Sakramente, besonders die Eucharistie, das Gebet, die Tugenden, Selbstdisziplin und den Dienst am Nächsten.

Er fasst den Weg zur Heiligkeit zusammen: „Was ist wesentlich für die Heiligkeit? Wesentlich ist, keinen Sonntag, ohne eine Begegnung mit dem auferstandenen Christus in der Eucharistie vergehen zu lassen. Und das ist doch keine zusätzliche Last, sondern ein Licht für die ganze Woche. Zweitens, keinen Tag, ohne wenigstens ein kurzes Beisammensein mit Gott zu beginnen und zu beenden. Und drittens, auf der Straße unseres Lebens den Wegweisern zu folgen, die Gott uns in den mit Christus gelesenen zehn Geboten gegeben hat. Sie sind ganz einfach die Erläuterung dessen, was Liebe in bestimmten Situationen tut."

Heiligkeit ist trotz menschlicher Schwächen für jeden erreichbar. Benedikt XVI. verweist dabei auch auf die vielen unscheinbaren Heiligen des Alltags: „Aber oft sind es jene Heiligen, die uns im Alltag begegnen, die niemals heiliggesprochen werden, die aber für uns in ihrer unscheinbaren Güte ein sehr überzeugendes Zeugnis des Glaubens sein können."

Bibel Zitate die Pater Dr. Lässer in einer Ansammlung daraufhin in seinem Vortrag zitierte, sind:

1. „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Empfangt den Heiligen Geist!"(Joh. 20,21-22)

2. „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern. Tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen." (Mat. 28,19–20)

3. „Er rief die Zwölf zu sich, gab ihnen Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und Krankheiten zu heilen, alle Krankheit und Leiden zu heilen." (Matthäus 10,1)

4. „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe, heilt die Kranken, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus. Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben." (Matthäus 10,7–8)

5. „Nehmt nichts mit auf den Weg, keinen Wanderstab, keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld, kein zweites Hemd." (Matthäus 10,9–10; vgl. Lukas 9,3) 6. „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." (Matthäus 28,20)

Auf dem Weg zur Heilung, Erlösung und Heiligkeit nennt der Vortrag sieben Stufen: Vor Gott sein, die Wahrheit über sich selbst annehmen, alles zu Gott bringen und bereuen, das eigene Leben annehmen, loslassen, was von Gott entfernt, um Erlösung bitten und sich mit der Liebe Gottes durch den Heiligen Geist erfüllen lassen.

Diese sieben Stufen beschreiben den inneren Weg des Menschen zu Gott. Das Blut Christi ist die Quelle und Kraft, aus der Heilung und Erlösung geschehen. Durch das Kreuz und die Wunden Jesu darf der Mensch seine Schuld, seine Verletzungen und sein Leid mit Christus verbinden und Gott anvertrauen. Besonders in der Eucharistie wird dieses Opfer gegenwärtig, wodurch Christus Heilung, Vergebung und neues Leben schenkt.

Sünde und Erlösung

von Prof. Dr. Tück

In seinem Vortrag „Sünde und Erlösung" stellt Prof. Dr. Tück Ratzingers Verständnis von Sünde als Störung der Gottesbeziehung dar, zeigt anhand zentraler Stationen aus der Jesusbuch-Trilogie die Solidarität Jesu mit den Sündern und entfaltet schließlich die theologische Bedeutung des Kreuzes.

Ausgangspunkt ist der Garten Eden als Bild der ursprünglichen Harmonie zwischen Gott, Mensch und Schöpfung, die durch die Versuchung, „wie Gott sein zu wollen", zerstört wird. Sünde erscheint als Bruch der Gottesbeziehung, der Entfremdung, Schuld und gestörte Beziehungen hervorbringt. Diese Dynamik zeigt sich bereits in der biblischen Urgeschichte in Schuldzuweisung und Flucht vor Gott. Auch in der Gegenwart wird Sünde jedoch häufig verdrängt und durch „Probleme" ersetzt, wodurch Reue, Bekenntnis und die Sehnsucht nach Vergebung verloren gehen. Ratzinger betont, dass nur die Umkehr zu Gott eine wirkliche Heilung ermöglicht, da psychologische Ansätze zwar helfen können, aber die tiefere Dimension der gestörten Gottesbeziehung nicht ersetzen.

Im zweiten Schritt wird die Solidarität Jesu mit den Sündern entlang zentraler Stationen seines Wirkens sichtbar. In der Taufe am Jordan tritt Jesus bewusst in die Reihe der Sünder ein, obwohl er selbst ohne Sünde ist. Die Bußtaufe des Johannes setzt das Bekenntnis der Sünden und die Umkehr zu Gott voraus. Gerade darin liegt das Paradoxe: Jesus, der keiner Umkehr bedarf, lässt sich taufen und identifiziert sich so mit den sündigen Menschen. Ratzinger deutet dies als bewusste Solidaritätstat Jesu, durch die er „alle Gerechtigkeit erfüllt" und den Willen Gottes verwirklicht.

Zugleich versteht Ratzinger die Taufe als Vorwegnahme des Kreuzes. Er schreibt: „Die ganze Bedeutung der Taufe Jesu [...] wird erst im Kreuz offenbar." Die Taufe erscheint damit als symbolische Annahme des Todes für die Sünden der Menschheit. Indem Jesus in das Wasser hinabsteigt und wieder daraus hervortritt, wird seine Identifikation mit Tod und Auferstehung sichtbar. Die Taufe wird so zum ersten Schritt seines Weges, auf dem er die Last der Sünde der Menschen auf sich nimmt.

Diese Solidarität setzt sich in den Versuchungen in der Wüste fort. Nach seiner Sendung wird Jesus vom Geist in die Wüste geführt, wo er sich vor Beginn seines öffentlichen Wirkens den Versuchungen stellt. Ratzinger betont, dass Jesus die menschliche Versuchung aus eigener Erfahrung kennt, jedoch ohne Sünde bleibt und den Menschen deshalb in ihrer Schwachheit beistehen kann (vgl. Hebr 2,17–18; 4,15).

Die Versuchungen sind dabei nicht nur individuelle Prüfungen Jesu, sondern Grundformen menschlicher Versuchung. Ihr gemeinsamer Kern besteht darin, Gott beiseitezuschieben und an seine Stelle scheinbar plausiblere Alternativen zu setzen.

Die erste Versuchung („Steine zu Brot") zielt auf die Versuchung, das Materielle absolut zu setzen. Der Mensch soll seine Bedürfnisse ohne Gott sichern und das leibliche Wohl über die Beziehung zu Gott stellen. Jesus weist dies mit dem Wort zurück: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." Damit macht er deutlich, dass der Mensch mehr ist als seine materiellen Bedürfnisse und dass die Beziehung zu Gott Vorrang hat.

Die zweite Versuchung (Tempelzinne) fordert Jesus heraus, Gott durch ein spektakuläres Zeichen zu beweisen. Hier zeigt sich die Versuchung, Gott kontrollierbar zu machen und ihn den eigenen Erwartungen zu unterwerfen. Ratzinger betont, dass echter Glaube nicht auf Beweisen beruht, sondern auf Vertrauen. Jesus verweigert den Sprung und bleibt im Gehorsam gegenüber dem Vater.

Die dritte Versuchung (Weltherrschaft) stellt Macht und Erfolg an die Stelle Gottes. Der Versucher bietet Jesus alle Reiche der Welt an, wenn er sich ihm unterwirft. Hier geht es um die Versuchung, das Gute mit falschen Mitteln zu erreichen und ein Reich des Friedens ohne Gott aufzubauen. Jesus weist dies entschieden zurück und bekräftigt den Primat Gottes: „Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen."

In allen drei Versuchungen zeigt sich: Jesus lebt ganz aus der Beziehung zum Vater und widersteht den Versuchungen, indem er an Gott festhält. Gerade darin wird seine Solidarität mit den Menschen sichtbar: Er durchlebt die Versuchung, ohne ihr nachzugeben.

Im Gebet von Getsemani erreicht dieses Ringen seinen Höhepunkt. Jesus tritt in eine existenzielle Auseinandersetzung mit dem Willen des Vaters ein. Seine Bitte „Lass diesen Kelch an mir vorübergehen" zeigt die reale menschliche Angst vor Leiden und Tod. Zugleich übergibt er sich frei dem Willen Gottes: „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe".

Ratzinger versteht Getsemani als inneres Drama der Erlösung und als Höhepunkt der menschlichen Freiheit Jesu. Jesus ist kein willenloses Werkzeug, sondern ringt in Freiheit um die Annahme des göttlichen Willens. Gerade darin zeigt sich die Einheit von menschlichem und göttlichem Willen: Der menschliche Wille Jesu erfüllt sich in der freien Hingabe an den Vater. Der Sündlose tritt so an die Stelle der Sünder und nimmt die Last der Gottesferne auf sich.

Im letzten Schritt entfaltet Ratzinger die theologische Bedeutung des Kreuzes. Beim letzten Abendmahl deutet Jesus sein Sterben als freiwillige Hingabe für die Vielen. Ratzinger versteht das Kreuz als „äußerste Radikalisierung der Liebe Gottes", in der Gott das Nein der Menschen auf sich nimmt und in sein Ja hineinzieht.

Die Vorstellung von Stellvertretung und Sühne ist heute schwer verständlich, da moderne Denkweisen die Unvertretbarkeit von Schuld betonen. Ratzinger hält jedoch daran fest, dass im Kreuz die tiefste Wahrheit über Sünde und Erlösung sichtbar wird: Jesus nimmt die Gottesferne der Menschen auf sich und eröffnet so den Weg zur Versöhnung.

Das Kreuz ist daher nicht nur ein Zeichen des Leidens, sondern vor allem der Hoffnung. Es zeigt die unbedingte Liebe Gottes, die stärker ist als Sünde und Tod. Zugleich ruft es den Menschen zur Umkehr, zur Annahme der Vergebung und zu einem Leben aus der erneuerten Beziehung zu Gott auf.

Die heilende Kraft der Sakramente

von Bischof Hanke

Johann Wolfgang von Goethe hebt die Bedeutung der Sakramente als sichtbare Zeichen göttlicher Gnade hervor, während die katholische Lehre – bekräftigt seit dem Konzil von Trient – betont, dass sie diese Gnade nicht nur symbolisieren, sondern auch wirksam schenken. Das Sakramentsverständnis entwickelt sich geschichtlich von der verborgenen Wirkkraft in der Materie (Isidor von Sevilla) über die Vermittlung unsichtbarer Gnade (Hugo von St. Viktor) hin zur klaren Lehre des Catechismus Romanus nach dem Konzil von Trient, dass Sakramente als sichtbare Zeichen die Gnade nicht nur bezeichnen, sondern wirksam bewirken.

Bischof Hanke kritisiert, dass die Sakramente im Laufe der Theologiegeschichte zunehmend als bloße Heilmittel verstanden wurden, was sich im Codex Iuris Canonici von 1917 zeigt, wo sie unter „De rebus" eingeordnet werden. Zugleich weist er darauf hin, dass dieser Codex 1983 durch den neuen Codex unter Papst Johannes Paul II. ersetzt wurde und dass eine rein instrumentelle Sicht der Sakramente ihrer tieferen sakramentalen Wirklichkeit nicht gerecht wird. Hans Urs von Balthasar betont, dass in den Sakramenten nicht eine bloße „gestaltlose Gnade" vermittelt wird, sondern die Begegnung mit der Person Jesu Christi selbst. Joseph Ratzingers Verständnis von Gottesbegegnung als Selbsthingabe Gottes verdeutlicht, dass die Sakramente den Menschen in das göttliche Leben hineinführen und durch die Begegnung mit Christus verwandeln.

Die Evangelien zeigen, dass die Begegnung mit der Person Jesu heilbringend und lebensspendend ist. Der Referent betont, dass die Gegenwart Christi in den Sakramenten nicht statisch verstanden werden darf, sondern als lebendige Vergegenwärtigung seines gesamten Heilshandelns – von Kreuz und Auferstehung bis zur Wiederkunft. Diese Sicht knüpft an die alte kirchliche Tradition an und wurde bereits vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil etwa von Hans Urs von Balthasar und anderen Theologen vertreten. Die Entwicklung des Sakramentsverständnisses führte schließlich zur lehramtlichen Festlegung der Siebenzahl der Sakramente, die sich ab dem 12. Jahrhundert herausbildete. Bischof Hanke zeigt in seinem Vortrag, dass in der alten Kirche die Sakramente eng mit der Person Jesu Christi und seinem Heilshandeln verbunden verstanden wurden: Sie vergegenwärtigen nicht nur eine Botschaft, sondern die Begegnung mit Christus selbst, durch die Heil geschenkt wird. Papst Leo der Große verdeutlicht dies mit dem Gedanken, dass das Sichtbare am Erlöser in die Sakramente übergegangen ist, da Christus durch Begegnung, Wort und Berührung Heil wirkte. Karl Rahner ergänzt, dass Sakramente nicht nur individuelle Heilsmittel sind, sondern ein Ereignis der Kirche, in dem sie ihr eigenes Wesen verwirklicht und sichtbar macht.

Sakramente sind nicht nur der persönlichen Heilung und Vergebung dienen, sondern zugleich den Aufbau des Leibes Christi und die Gemeinschaft der Kirche stärken. Sie sind keine rein private Angelegenheit, sondern vollziehen sich in der Kirche und durch die Kirche. Besonders am Beispiel der Taufe zeigt sich, dass nicht nur der Mensch verwandelt wird, sondern auch die kirchliche Gemeinschaft neu entsteht. Das Heilsame der Sakramente liegt in der lebendigen Begegnung mit Christus, durch die der Mensch verwandelt und in das von Gott gewollte neue Leben geführt wird. Sie verwandeln den Menschen in das, was Gott in ihm sieht, und erneuern seine Berufung innerhalb der Gemeinschaft der Kirche. Joseph Ratzinger zeigt in seinem Werk Jesus von Nazareth die Person Jesu und sein Heilswirken aus der Verbindung von Glauben und Geschichte und vertieft damit das Verständnis der Begegnung mit Christus in den Sakramenten.

Joseph Ratzinger deutet die Taufe Jesu am Jordan und das Abendmahl als zentrale Ereignisse zum Verständnis der Sakramente. Die Taufe Jesu offenbart, dass Christus durch seine Erniedrigung und seinen Gehorsam die Erlösung wirkt: Im Jordan öffnet sich der Himmel, der Heilige Geist kommt herab und der Vater bezeugt seinen Sohn. Taufe und Eucharistie bilden dabei die grundlegenden Sakramente der Kirche, die aus der Seitenwunde Christi hervorgehen – symbolisiert durch Wasser und Blut. Er versteht die Taufe Jesu am Jordan als Vorausdeutung auf Kreuz und Auferstehung. Das Hinabsteigen Jesu in das Wasser steht für seine Erniedrigung und seinen Abstieg in die menschliche Sünde und Todeswirklichkeit, während das Heraufsteigen auf die Auferstehung verweist. Dadurch zeigt sich: Gott wird in Christus ganz solidarisch mit dem Menschen und schenkt durch diese Begegnung Erlösung. Die Taufe Jesu  deutet er als einen Rollentausch: Christus identifiziert sich mit dem Menschen, tritt stellvertretend vor den Vater und nimmt die Sünde und das Leid der Welt auf sich. Der Deszensus, der Hinabstieg Jesu in die Wasser des Jordan, symbolisiert das Absterben des alten Menschen, während das Wasser zugleich Reinigung, Leben und die neue Schöpfung bezeichnet. So wird der Hinabstieg zum Beginn der Verwandlung und der Erlösung.

Die Identifikation Jesu mit dem sündigen Menschen in der Taufe zeigt Gottes unwiderrufliches Entgegenkommen: Christus nimmt den Menschen an sich, führt ihn aus der Trennung von Gott zur Gemeinschaft mit ihm und eröffnet durch Kreuz und Auferstehung eine neue Schöpfung. Joseph Ratzinger versteht die Sakramente als Vergegenwärtigung des göttlichen Hinabsteigens: Christus tritt in die gebrochene Wirklichkeit des Menschen ein und schenkt durch seine Identifikation mit uns die Möglichkeit, mit ihm eins zu werden. Diese Begegnung mit Christus verwandelt den Menschen und führt zur christlichen Personwerdung, also zur Verwirklichung seiner von Gott geschenkten Identität.

Ratzinger deutet das letzte Abendmahl Jesu als Vorausnahme seines Kreuzesopfers, seiner Auferstehung und seiner Wiederkunft. In den Zeichen von Brot und Wein wird nicht nur an die Erlösung erinnert, sondern das Oster- und Erlösungsmysterium Christi gegenwärtig gesetzt. Jesu Handlung am Mahl zeigt dabei bereits seine Hingabe: Indem er das Brot nimmt und austeilt, schenkt er sich selbst den Menschen als seinen Leib. Ratzinger verbindet das Abendmahl mit dem Deszensus der Taufe: In beiden Ereignissen steigt Gott in die menschliche Wirklichkeit hinab. Jesu Gebet beim Mahl geschieht als Sohn zum Vater und zugleich als Mensch stellvertretend für uns; in den Wandlungsworten „Das ist mein Leib" schenkt er sich selbst und offenbart die radikale Liebe und Solidarität Gottes mit dem Menschen. Ratzinger deutet das „Nehmt" beim Abendmahl als Einladung Jesu, seine Selbstschenkung anzunehmen. In der Eucharistie geschieht dadurch eine Verwandlung: Der Mensch empfängt durch die Identifikation mit Christus eine neue Identität und wird in den Leib Christi hineingeführt. Hans Urs von Balthasar beschreibt diesen Vorgang als Selbstenteignung des Menschen durch Gottes verwandelnde Liebe, während Augustinus die Einheit zwischen Christus und dem Empfangenden mit dem Gedanken ausdrückt: Der Mensch wird, was er empfängt.

Das Kelchwort „Mein Blut" ist nach Ratzinger Zeichen der Hingabe Christi, durch die Gott im Deszensus in die menschliche Wirklichkeit eintritt, Versöhnung schenkt und in den Sakramenten die Gemeinschaft mit ihm ermöglicht. Im Kontext der Taufe am Jordan hat er einen Gedanken entfaltet, der dieses Mysterium geistlich und eindrücklich beschreibt und den ich auf die Sakramentalität übertragen habe und ihn hier noch einmalzuführen: „In Jesu Identifikation mit uns empfangen wir unsere Identifikation mit ihm."

Der Kern der Sakramentalität liegt darin, dass Gottes Gnade den Menschen durch die Identifikation mit Christus verwandelt und ihn zur christlichen Personwerdung in einem aktiven Glauben der Liebe führt. Die Sakramente zeigen, dass Christus selbst der Handelnde ist und der Mensch die Gnade empfangend annimmt, wie die Fußwaschung verdeutlicht: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir." Joseph Ratzingers Gedanken von Christi Stellvertretung und Identifikation mit dem Menschen finden ihre biblische Grundlage im Hebräerbrief (7,23–25). Christus bleibt als ewiger Sohn der Fürbitter und tritt für den Menschen ein. In dieser bleibenden Begegnung mit dem entgegenkommenden und verwandelnden Christus wird das Heilsgeschehen der Sakramente gegenwärtig.

Jungen Benedikt XVI. Forum

Das Benedikt XVI.-Forum „Heilung durch Glauben“ aus der Sicht der Jugend. Neben den Vorträgen und Feierlichkeiten hatten wir die Gelegenheit, uns mit Prof. Graulich über den heiligen Pier Giorgio Frassati auszutauschen, mit Prof. Weimann über Exorzismus zu sprechen, ein Gespräch mit Kardinal Koch, ein Besuch der Gnadenkapelle mit ihrem Rektor, Prälat Klaus Metzl, und mit Lea Amodio die Initiativen der Ratzinger Class entdecken, in einer Sonderausgabe des Formats BuchLab.anlässlich des 20. Jahrestags des Besuchs von Papst Benedikt in Bayern teilzunehmen. Der Besuch von Papst Benedikts Geburtshaus in Marktl mit Prof. Haringer war besonders interessant – kostbare Momente des Glaubens und der Freundschaft.

»Das Marienheiligtum von Altötting war dem Leben von Papst Benedikt sehr wichtig. Er hat als Kind schon immer teilgenommen mit seinen Eltern, hat hier auch teilgenommen als 7-Jähriger an der Heiligensprechung von Bruder Konrad, den er damals als das christliche Gegenbild gegen die Großmenschen und Großherren der Nationalsozialisten gesehen hat und ist immer wieder nach Altötting gekommen und als er als Papst da war, hat er seinen Ring, als er Bischof geworden ist, von seinen Geschwistern, auf den Altar gelegt und der Ring ist jetzt nun bei der Gottesmutter, sie trägt ihn, weil er immer wieder betont hat, in Altötting bei der Maria, bei der Mutter, da bin ich daheim. Und so ist dieses Walfahrtsort für viele Menschen ein Gnadenort in der Nachfolge auch von Papst Benedikt«.

Kardinal Kurt Koch

Kurt Kardinal Koch (Hrsg.): 
Gläubige Theologie - Band 3 
Vom Sinn des Heiligen in der Wahrheit des Glaubens 

Der Sinn für das Heilige und die Wahrheit sind zentrale Glaubensthemen, denn Gott hat sich als der dreifach Heilige und als Wahrheit offenbart. Wahrheit und Heiligkeit stehen in einem engen Zusammenhang und machen deutlich, dass dort, wo der Sinn für das Heilige fehlt, auch der Blick für die Wahrheit getrübt wird und umgekehrt.
Ausgehend von der Theologie Joseph Ratzingers/ Benedikt XVI. zeigt dieses Buch, wie der Sinn für das Heilige wiederentdeckt werden kann, um Orientierung und Zuversicht für das Leben zu gewinnen. Die Beiträge gehen auf die Benedikt-XVI.-Foren des Jahres 2025 in Altötting und Hamburg zurück.

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